Geburtsbericht Nils, Aschaffenburg [12.12.2019]

Mein Freund hat mir per WhatsApp-Sprachnachricht einmal unsere Geburt aus seiner Sicht geschildert. Ich habe mir mal die mühe gemacht und euch diese Nachricht unverfälscht abgetippt. Viel spaß beim lesen.


"Nach einem langen Arbeitstag bin ich nach Hause gekommen und habe noch etwas Zeit mit Vanessa verbracht. Bevor wir uns schlafen legten ging Vanessa noch einmal zur Toilette. Die Türen standen offen und ich hörte, dass es etwas lauter geplätschert hat als sonst. Ich war schon im Schlafmodus als sie mir sagte, dass die Fruchtblase geplatzt sei. Ich konnte es erst nicht glauben doch dann packten wir die Kliniktasche gemeinsam fertig und fuhren schon zur Klinik. Die Fahrt zur Klinik war sehr angenehm, doch ich sprach meine Freundin nicht mehr an, da sie schon begann die Wehen zu veratmen um sich somit auf die Geburt vorzubereiten. Als wir ankamen, es war kurz vor Mitternacht, parkten wir auf dem Storchenparkplatz und gingen durch die Notaufnahme zur Geburtsstation, alles ganz entspannt. Die Hebamme kam uns vorerst nicht so vor als würde sie uns glauben, dass die Geburt jetzt begann, doch nach einigen Untersuchungen war auch sie sich sicher. Zu dem Zeitpunkt war sie sich allerdings noch nicht darüber bewusst, dass unser Sohn die nächsten 8 Stunden zur Welt kommen würde. Die Hebamme hat uns relativ lange im Vorwehenzimmer allein gelassen während wir auf einen Arzt warteten. Dieser hat Vanessa Blut abgenommen, da das nach der Öffnung der Fruchtblase standardmäßig gemacht wird um eventuelle Veränderung der Entzündungswerte zu überprüfen, falls das Kind nicht innerhalb der nächsten 24 Stunden nach Öffnung zur Welt gebracht wird. Anschließend warteten wir in der geburtenreichen Vollmondnacht noch einmal im Vorwehenzimmer bis die Hebamme den Geburtsraum hergerichtet hat, hier hat Vanessa auch schon einige Wehen veratmet. Seit der Fahrt bis zum Ende der Geburt hinweg hörte meine Freundin ihre Entspannungmusik. Im Geburtsraum angekommen packten wir erst einmal unsere Sachen in Ruhe aus. Wir waren sehr entspannt. Vanessa ist in dem Raum umhergelaufen und hat getestet in welcher Position sie sich in ihrer Situation am wohlsten fühlt. Es war relativ schnell klar, dass sie in die Wanne wollte. Bestimmt, weil das der Prof. Dr. Louwen für die Eröffnungsphase so empfohlen hat. Sie war ca. 5-6 Stunden, wirklich eine sehr lange Zeit in der Wanne gewesen. Ich war wirklich sehr müde. Berufsbedingt war ich am Vortag schon seit 4 Uhr wach und habe, bis auf das kleine Nickerchen während den Anfängen des Geburtsverlaufs, nicht geschlafen. Ich schlief in dem Sessel der im Zimmer stande und Vanessa schlief in der Wanne auch noch einmal für, ich glaube, 1 bis 2 Stunden. Nach dem Hebammenwechsel gerieten wir leider an eine Hebamme welche sehr laut war. Dies schien mir nicht so optimal doch ich habe versäumt ihr zu sagen, dass sie etwas Rücksicht nehmen sollte. Vanessa war trotzdem sehr entspannt und hat sich nicht rausbringen lassen. Es wurde regelmäßig untersucht wie weit der Muttermund geöffnet ist. Als der Muttermund weit genug geöffnet war, dachte ich mir es sei wohl besser sie würde aus der Wanne steigen, doch die Hebamme welche aktuell vor Ort war hat meine Freundin leider nicht darauf aufmerksam gemacht. Zur Frühschicht gab es noch einmal einen Hebammenwechsel. Das war ein sehr lustiger Moment, denn unsere Vor- und Nachsorgehebamme hatte den selben Vornamen wie diese welche nun kommen sollte. Vanessa freute sich erst und fragte ob es unsere Hebamme sei, doch es stellte sich schnell heraus, dass es diese nicht war. Die neue Geburtshebamme war jedoch genau so lieb wie unsere Hebamme, das sollte wohl ein gutes Zeichen gewesen sein. Vanessa hat immer noch schön ihre Wehen veratmet welche nun immer intensiver gekommen sind. Die Geburtshebamme ist uns nicht mehr von der Seite gewichen. Als sie noch einmal den Muttermund tastete war dieser schon zur Geburt bereit, doch unser Sohn wollte nicht in der Wanne zu Welt kommen. Die Hebamme empfahl nun, dass Vanessa der Schwerkraft wegen aufstehen solle, um den Geburtsverlauf ein bisschen zu unterstützen. Das Wasser hat den Geburtsverlauf gegen Ende leider etwas gehemmt. Als Vanessa sich nach einiger Zeit doch dazu bereit erklärte aus der Wanne zu steigen, waren wir beide (die Hebamme und ich) sehr perplex, da sie anschließend direkt auf die Toilette ging. Die Abstände zwischen den Wehen wurden immer kürzer, weshalb sie wohl auch eine Wehe auf der Toilette veratmete. Für mich persönlich war das sehr blöd, da wir sie in diesem intimen Moment nicht stören wollten und ich jedoch das Gefühl hatte ihr Helfen zu müssen. Als sie fertig war, schaffte sie es nicht einmal einen Schritt aus der Tür heraus, und schon ging sie in die Hocke um die nächste Wehe zu verarbeiten. Seit sie aus der Wanne gestiegen ist sind die Wehen in immer kürzeren Abständen gekommen. Man konnte nicht behaupten, dass sie sehr laut war. Sie atmete lediglich, mit geschlossenem Mund, sehr laut aus. Meine Freundin hat während der gesamten Geburt weder geschrien noch mich gekratzt oder beleidigt. Bereits während sie in der Wanne war haben wir Händchen gehalten welche sie bei jeder Wehe zudrückte. Als sie also von der Toilette wieder kam nahm ich erneut ihre Hände. Nach einer kurzen Weile in der Hocke, stand sie wieder auf und schlang sich sehr eng um meinen Hals. Es hat mir absolut nicht weh getan, es war einfach wie eine sehr innige und lange Umarmung und ich habe gemerkt, dass ihr das sehr gut getan hat. Es war einfach schön da dabei zu sein *weint*. Flüstert: „Es war einfach ein sehr schöner Moment gewesen.“ So verweilten wir dann auch bestimmt eine halbe Stunde, bis unser kleiner Schatz sich weit genug nach Unten gearbeitet hatte. Die Hebamme sah nun schon das Köpfchen und bat Vanessa auf das Geburtsbett zu steigen. Sie kniete sich auf das Bett und beugte sich über die Lehne. Ich Setzte mich an das Kopfende und nahm ihre Hände. Kurz darauf erblickte auch schon unser kleines Wunder das Licht der Welt. Meine Freundin hat alle Wehen gut veratmet und absolut keine Schmerzen gehabt. Die Hebamme aus der Frühschicht war richtig toll, mit ihrer Anleitung ging das ja dann doch noch ganz schnell. Ich hätte mir gewünscht Jakob hätte die Brust selber suchen dürfen, doch die Hebamme legt ihn fast schon an. Das war das einzige was ich leider nicht so toll fand. Vanessa hatte keinen Dammriss, lediglich einen Riss in der Scheide. Dieser wurde nach der Geburt der Plazenta mit einer örtlichen Betäubung relativ zügig genäht. Danach haben sowohl der Arzt als auch die Hebamme den Raum verlassen und wir haben noch 1 – 2 Stunden zu dritt gekuschelt. Ich musste mich auch erst einmal mit dem kleinen Mann anfreunden, denn ich habe mich anfangs nicht so richtig getraut ihn anzufassen, da er so zerbrechlich wirkte. Anschließend kam die Hebamme wieder und ich schaute bei den ersten Untersuchungen zu (Messen, Wiegen usw.). Nach den Untersuchungen kamen wir auf ein Familienzimmer welches sie glücklicher Weise noch für uns zur Verfügung hatten. Wir schliefen den ganzen Resttag und die Nacht. Am nächsten Tag warteten wir auf die Fersenblutabnahme und dann gingen wir nach Hause."

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